Wo positioniert sich die HEP|PH FR in Bezug auf E-Learning?

Mit einer Onlineumfrage versuchte der Direktionsrat, die Qualitätsabteilung sowie die Forschungsabteilung EVIDENS auf diese Frage zu antworten. Am 9 Mai 2020 wurden alle Studierenden, Dozierenden und Mitarbeitenden der HEP|PH FR eingeladen, an einer entsprechenden Umfrage teilzunehmen. Am 20. Mai 2020 endete die Umfrage mit einer Antwortquote von 59 %. Die Ergebnisse, eine wertvolle Momentaufnahme der Gewohnheiten des Fernunterrichts sowie der Telearbeit, dienen als Grundlage für weiterführende Studien. Wir sprechen mit Camille Poursac, wissenschaftliche Mitarbeiterin der Einheit Qualitätsentwicklung der HEP|PH FR und Pierre-François Cohen, Professor und Forscher an der HEP|PH FR, Verantwortlicher der Forschungseinheit EVIDENS. 

Ergänzung von Michael Piek, Co-Rektor ad interim an der HEP|PH FR

"Jede Krise ist Antrieb zur Weiterentwicklung".

Inwiefern sind die Ergebnisse dieser Studie für Sie als Co-Rektor wertvoll?

(MP) Wir haben diese Studie aus mehreren Gründen initiiert und in Auftrag gegeben. Bis heute war das gesamte Feedback, das wir zu unserer Vorgehens- und Arbeitsweise, unseren Ressourcen - um nur einige zu nennen - erhielten, immer informell und sporadisch. COVID-19 und der verhängte Halb-Lockdown haben uns alle überrascht. Wir mussten uns in sehr kurzer Zeit anpassen; es gab ein Vorher, ein Während und ein Danach. Diese Phasen wollten wir mit dieser Studie messen. Es ist sehr interessant, einen allgemeineren, umfassenden Überblick zu erhalten und dabei gleichzeitig den Studierenden, dem Lehrpersonal und den Mitarbeitenden eine Stimme zu geben. Jetzt, da wir uns alle an einen neuen Tagesablauf gewöhnt haben, auch wenn bestimmte Dinge wieder "normal" geworden sind, stellen wir fest, dass bestimmte Funktionsweisen, die wir uns noch vor wenigen Monaten nicht vorstellen konnten, Realität geworden sind. Jeder Mensch scheint eine für sich passende Funktionsweise gefunden zu haben. Außerdem haben die Studierenden nicht das Gefühl, dass sie weniger gelernt haben, im Gegenteil! Das ist bemerkenswert.

Sicherlich wurde nicht weniger gelernt, aber was sind die wichtigsten Erkenntnisse, insbesondere hinsichtlich neuer Methoden und Tools, die die Studie hervorbringt? 

(MP) Es wird deutlich, dass wir bei der Anzahl der Tools, die wir zum Lehren und Arbeiten verwenden, umsichtig vorgehen müssen. (Es muss immer die Frage gestellt werden: "Was ist die zu fördernde Grundkompetenz?"). So mussten wir mit dem Fernunterricht, den wir kurzfristig umsetzen mussten, unsere Werkzeuge und Praktiken in Frage stellen. Alte Gewohnheiten mussten wir teilweise hinter uns lassen oder zumindest überdenken und verbessern.

Würden Sie sagen, dass COVID die Lehrerausbildung verändert hat? 

(MP) Auf jeden Fall! Wir sind uns der Einsatzmöglichkeiten der Informatik seit Jahren bewusst, und doch werden sie oft nicht genutzt. Wir waren gezwungen, diese Zeit zu überbrücken. Sie hat uns veranlasst, schnell zu reagieren, uns schnell anzupassen und mit digitalen Technologien Lösungen zu finden, insbesondere um während all dieser Wochen auf Distanz zu unterrichten. Wir bilden jedoch keine Roboter aus! Einerseits bilden wir Lehrerinnen und Lehrer in ihrem Beruf aus, andererseits aber auch in dem Wandel, der sich allmählich überall in der Gesellschaft abzeichnet, mit der Frage des Fernunterrichts. Wir sind gegenwärtig dabei, uns an diese Veränderungen, an die Technologie von heute und morgen anzupassen. Unsere Aufgabe ist es, die Studierenden auf diese Veränderungen vorzubereiten und sie in diesem Prozesse zu begleiten. Uns ist klar, dass das Ganze sehr schnell geschieht. Es ist eine Herausforderung für uns alle, aber der Schlüssel zum Erfolg liegt darin, die Studentinnen und Studenten zum Nachdenken anzuregen: Was kann die Technologie für uns und für sie tun und wie können wir sicherstellen, dass die Technologie uns dient und nicht wir der Technologie dienen.

Die Qualitäts- und Forschungsabteilung sind maßgeblich an der Konzeption und Durchführung dieser Studie beteiligt. Inwiefern sind diese beiden Dienste in einer Pädagogischen Hochschule wie der in Freiburg von wesentlicher Bedeutung? 

(MP) Ich möchte diese beiden Dienste mit viel mehr als nur zwei Spiegeln vergleichen. In einem Spiegel besteht manchmal die Gefahr, dass man nur das sieht, was man sehen will! Der Blick der Forschung und der Qualität ist völlig neutral. Das ist äußerst wichtig, denn wir alle sind in unserem Tagesablauf so vertieft, dass wir bestimmte Dinge, bestimmte Verhaltensweisen, bestimmte Gewohnheiten nicht mehr wahrnehmen. Forschung und Qualität helfen uns, unsere Praktiken und Gewohnheiten zu hinterfragen und uns auf bestimmte, manchmal unbequeme Punkte zu konzentrieren. Auf der anderen Seite helfen sie uns, bestimmte Dinge zu relativieren, die gar nicht so gravierend sind! Die Forschung und die Qualitätseinheit sorgen dafür, dass wir uns nicht auf dem Erreichten ausruhen und untätig bleiben. Sie helfen uns dabei, unsere Komfortzone zu verlassen und uns stetig zu verbessern.

Das Ziel ist also die kontinuierliche Weiterentwicklung? 

(MP) Ja. Es geht vor allem darum, mit seiner Zeit, mit den verfügbaren Instrumenten und den eigenen Zielen im Einklang zu sein. LehrerIn zu sein bedeutet, sich ständig weiterzuentwickeln! 

Und an der HEP Fribourg werden die Studierenden auf diese Entwicklung vorbereitet? 

(MP) Ja. Die Bereiche Qualität und Forschung unterstützen uns in diesem Bestreben.