Forschungseinheit "Didaktik der Ethik und der Religionskunde"

Diese Forschungseinheit bearbeitet Fragen rund um die spätestens durch den Lehrplan 21 und den PER (plan d’études romand) neu eingeführten Fachperspektiven „Ethik“ und „Religionen“ sowie Fragen berufsethischem Handelns. Nebst qualitativ orientierter Grundlagenforschung begleitet die Forschungseinheit die Einführung, bzw. die Evaluation von spezifischen didaktischen Modellen und Methoden und nutzt die Erkenntnisse zur Entwicklung von geeigneten Materialien für den Unterricht.

Bereich 1: Didaktik der Ethik und der Staatsbürgerschaft

Der Ethik-Unterricht umfasst sowohl die Konzeptualisierung als auch die Operationalisierung des reflexiven Handelns an der sprachlichen Schnittstelle des Lernprozesses durch Interlokutionen.

Die Forschungsprojekte analysieren die Verbindungen zwischen der pragmatischen Sprache und den Beziehungen zum Wissen und zu den Mitmenschen. Sie setzen sich kritisch mit den Vorgängen auseinander, die bei der Entstehung und Übermittlung des ethischen Denkens zu beobachten sind.

In ihrer proaktiven Dimension untersuchen sie die Machbarkeit und Wirksamkeit der tatsächlichen ethischen Praxis im schulischen Umfeld. Wichtiges Augenmerk sind dabei die Ressourcen und ihre Verwendung wie auch die Methoden des reflexiven Diskurses und insbesondere der Diskussionen mit philosophischer Tragweite.

Bereich 2: Grundlagenforschung im Bereich der Religionskundedidaktik

Die Einführung der Perspektive „Religion“ als Teil einer (säkular) ausgerichteten natur- und sozialwissenschaftlichen Bildung für alle Schülerinnen und Schüler in den meisten Kantonen der Schweiz kann als Paradigmawechsel beschrieben werden. Dementsprechend muss für diesen neuen Bereich eine wissenschaftlich fundierte Fachdidaktik entwickelt werden, für die grundlegende Fragen erst geklärt werden müssen. Die Forschungseinheit DER stellt sich dabei insbesondere die Frage, mit welchen Erfahrungen, Begriffen und Konzepten zu unterschiedlichen religiösen und religionskritischen Traditionen Kinder und Jugendliche sowie Lehrpersonen in den Unterricht kommen, bzw. Unterricht gestalten, wenn zudem sowohl auf wissenschaftlicher Ebene als auch in öffentlichen Debatten und alltagssprachlichen Verwendungen „Religion“ sehr unterschiedlich verhandelt wird. Was und wie lernen Kinder und Jugendliche in der Schule, wenn sie „Religionen und Weltsichten begegnen“ (LP21, NMG.12).

Bereich 3: Berufsethik

Die Grundsätze des Lehrplans 21 zeichnen die ideale Vorstellung einer Inklusion aller Kinder und Jugendlicher in eine diskriminierungsfreie und respektvolle Schweizer Gesellschaft (D-EDK 2014). Der Schule kommt dabei eine wichtige Förder-Funktion zu. Diesen Inklusionsabsichten stehen allerdings schulische und gesellschaftliche Abgrenzungs- und Exklusionspraktiken gegenüber. So ist beispielsweise nach wie vor der sozioökonomische Status, bzw. das Geschlecht für Bildungserfolg relevant und die Chancengleichheit somit nicht gewährleistet (Angelone et al. 2013; Forsthuber et al. 2009; Becker 2013). Der öffentliche Diskurs ist zurzeit sehr stark von Ausgrenzungsdiskursen gegenüber Migrant*innen sowie gegenüber der muslimischen Bevölkerung in der Schweiz geprägt und wird über die Jugendlichen in die Schule hineingetragen (Duemmler und Dahinden 2016; Duemmler 2015; Oester und Brunner 2015). Die Schule und damit auch die Lehrperson stehen somit im Spannungsfeld zwischen Inklusionsansprüchen und Abgrenzungspraktiken, die sich auf Zugehörigkeiten und Bildungschancen auswirken.
Die Forschungseinheit interessiert sich spezifisch für Ein- und Ausschlusspraktiken im alltäglichen Unterrichtshandeln im Unterricht zu Ethik und Religionskunde und fragt danach, welche Konzepte und Kategorien dabei von den Lehrpersonen und Schüler*innen aufgerufen und eingeübt werden. Die daraus gewonnenen Erkenntnisse sollen in der Grundausbildung sowie der Weiterbildung in die fachdidaktischen und berufsethischen Kurse einfliessen sowie für die Entwicklung von geeignetem Unterrichtsmaterial genutzt werden.